Einmal Viagra und zurück

Wir schreiben – noch – das Jahr 2013, das Jahr, als Viagra von Pfizer exakt 15 Jahre alt wurde. Eineinhalb Dekaden babyblaue Wunderpille und alle Österreicher jauchzen mit der holden Weiblichkeit vor Entzücken im Chor. 15 Jahre Viagra kaufen, ein Grund zum Feiern? Nicht so für Pfizer, denn damit läuft der Patentschutz für das Medikament ab. Das bedeutet, das Monopol der Herstellung von Potenzmitteln auf Basis von Sildenafil ist aus und vorbei. Hersteller aus aller Herren Länder dürfen das Präparat nachbauen und auf den Markt bringen. Diese sogenannten Generika werden wesentlich billiger verramscht, denn die teuren Forschungskosten, die Pfizer für seine Erfindung bezahlen musste, fallen bei den Kopien nicht an. Die EU stellt an Generika für Viagra lediglich die Anforderung, dass es ebenfalls Sildenafil beinhaltet und in der Bioäquivalenzstudie mit vergleichbaren Ergebnissen, wie das Viagra Original abschneidet.

Unterschiedliche Tabletten, selbe Wirkung?

Ist doch prima, denkt der sparsame Österreicher. Geringere Kosten für dieselbe Wirkung? Es gibt bei Viagra Alternativen allerdings einige Hindernisse, die den Markt undurchschaubar machen. Es ist lediglich vorgeschrieben, dass der Wirkstoff Sildenafil identisch sein muss. Die Bindemittel (also der überwiegende Teil der Tablette, der sie zusammenhält) kann frei gewählt werden. Diese Bindemittel bergen jedoch ebenso die Gefahr einer Unverträglichkeit, wie der Wirkstoff selbst. Der gefärbte Filmüberzug des Original Viagra besteht beispielsweise aus Laktose. Zwar ist der Bestandteil des Milchzuckers so gering, dass selbst Allergiker nicht darauf ansprechen würden, ein besonderes Augenmerk sollte dennoch darauf geworfen bzw. geeignete Mittel zur Bekämpfung der Allergiereaktionen vorsichtshalber bereitgehalten werden. Ferner handelt es sich bei einigen Viagra Alternativen um schlechte Kopien des Originals bzw. um Kopien der kopierten Kopien, die eine Kopie der Kopie des Originals sind. Je mehr Schritte zwischen der in Händen gehaltenen Tablette und dem Original liegen, desto größer ist die Gefahr eines Qualitätsverlustes. Es wäre nicht weiter schlimm, wenn die angegebene Dosierung aus Kostengründen geringfügig unterschritten würde. Allerdings wurden durch den Zoll an den EU-Grenzen Proben festgestellt, die fast doppelt so viel Sildenafil beinhalteten, wie auf der Packungsbeilage angegeben. Jeder will beim Viagra kaufen Geld sparen, gut und schön, aber deswegen seine Gesundheit aufs Spiel setzen? Wer weiß schon, welches Präparat in Händen gehalten wird? Es wurden sogar Viagra Kopien sichergestellt, die überhaupt keinen Wirkstoff enthielten, sondern wenn überhaupt ein anders Mittel. Da können Sie gleich in eine Tombola greifen und zwei rote und eine weiße Tablette schlucken, weil das eben die Farben der österreichischen Flagge sind. Wird schon gut gehen, Patriotismus hat ja noch nie geschadet.

Original Viagra im Internet

Damit mir trotz Preiskampf und gutem Willen kein Landsmann auf eine Fälschung Viagras hereinfällt, hier einige Tipps, woran man das Original aus dem Hause Pfizer erkennt und wie auf was beim Kauf von Erektionshilfen im Internet ganz allgemein zu achten ist. Erstens, kaufen Sie niemals, NIEMALS, offene Verpackungen, einzelne Blister oder gar lose Tabletten. Zweitens, wenn Sie im Internet Viagra oder Viagra Alternativen kaufen, die auf Basis von Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil wirken, benötigen Sie ein Rezept. Das kann per Ferndiagnose von der Versandapotheke selbst einem veranlasst werden, aber Sie müssen zumindest bei der Erstbestellung einen Fragebogen ausfüllen. Es gibt in der EU kein rezeptfreies Viagra, auch nicht wenn Sie sich auf den Kopf stellen und mit den Beinen wackeln. Original Viagra kann anhand einer Vielzahl von Erkennungsmerkmalen identifiziert werden, die selbst die gewieftesten Fälscher nicht alle berücksichtigen. Die Außenverpackung der zuverlässigen Potenzmittel ist überwiegend Weiß und trägt auf der linken Seite einen dunkelblauen Streifen, der durch einen schmalen, hellblauen Striemen an das restliche Weiß anschließt. Es ist dasselbe hellblau, wie auf den Seitenflächen der Verpackung. Das ist noch nichts Weltbewegendes und auch der dunkelblaue Schriftzug „Pfizer“ auf weißem Oval innerhalb des dunkelblauen Felds ist keine übertriebene Raffinesse. Aber wussten Sie, dass VIAGRA auf den Originalverpackungen immer in Großbuchstaben geschrieben wird? Haben Sie schon einmal darauf geachtet, dass die Dosierung entweder in Violett, Pink oder Lila geschrieben ist? Der Wirkstoff Sildenafil sowie die Beschreibung „film covered tablets“ im oberen Bereich sind immer in Kursivschrift abgedruckt. Am unteren Rand der Frontseite ist die Anzahl der Tabletten in Dunkelblau aufgedruckt. Hier erscheint die die Bezeichnung „film covered tablets“ allerdings nicht kursiv. In der rechten unteren Ecke ist ein Pfizer Hologramm aufgedruckt. Auf der hellblauen Seitenlasche ist eine 8-stellige Batch-Nummer sowie das Ablaufdatum zu finden. Die Batchnummer ist so etwas wie eine Seriennummer. Bei Zweifeln können Sie bei dem Hersteller anrufen und diese Nummer überprüfen lassen. Sollte Ihnen ein einzelner Blister auffallen, achten Sie darauf, dass die Schrift auf der Rückseite dunkelblau ist und diagonal verläuft. Die rautenförmigen Tabletten füllen die Kammern stets restlos aus, ohne irgendwo eine Lücke zu lassen. Die Prägungen sind auf der einen Seite das Kürzel VGR und die Dosierung. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Name des Herstellers. Kein Original verfügt über eine Bruchkante, denn dafür gibt es schließlich die verschiedenen Dosierungen. Sollten Sie die Tablette doch teilen, werden Sie feststellen, dass das Innere weiß ist, nicht babyblau. Stimmen all diese Punkte überein, halten Sie mit größter Wahrscheinlichkeit ein echtes Viagra in den Händen.